Entwurf des PMBOK-Guides 6th Edition veröffentlicht

Seit dem 26. Juni steht der Entwurf der nächsten PMBOK-Version zu Review für alle Mitglieder online. Bis zum 26. Juli kann der englische Text von PMI-Mitgliedern kommentiert werden. Die endgültige Version soll im dritten Quartal des nächsten Jahres erstmalig in zehn Sprachen gleichzeitig erscheinen.

Einige zentrale Änderungen werden im Entwurf deutlich

Was ändert sich am Prozessmodell?

  1. Drei neue Prozesse kommen hinzu: Manage Project Knowledge im Integration Management, Implement Risk Responses im Risk Management und Control Resources im Resource Management
  2. Zwei neu benannte Wissensgebiete: Project Time Management heißt jetzt Project Schedule Management und Project Human Resource Management nun allgemeiner Project Resource Management.
  3. Der Prozess Estimate Activity Resources ist jetzt unter Resource Management angesiedelt.
  4. Der Prozess Close Procurements wird nicht mehr beschreiben. Die damit verbundenen Aufgaben sind auf die Prozesse Control Procurements und Close Project or Phase aufgeteilt worden.
  5. Es gibt eine neue Klassifizierung für die Prozesse. Sie werden jetzt unterschieden nach Prozessen, die nur einmalig oder nur zu bestimmten Zeitpunkten im Projekt ausgeführt werden, Prozessen, die periodisch aufgerufen werden und Prozessen, die kontinuierlich das Projekt begleiten.

Demnach sind es jetzt wieder 49 Prozesse. Die Einteilung der Prozessgruppen und Wissensgebiete ändert sich nicht.

Vereinheitlichte Beschreibung von Ein- und Ausgabewerten der Prozesse

Die Beschreibung der Ein- und Ausgabewerte der Prozesse ist hinsichtlich des Projektmanagementplans und den Projektdokumenten vereinheitlicht worden. Dokumente und Projektmanagementplan-Bestandteile werden an den Prozessen beschrieben, in denen sie entstehen. In weiteren Beschreibungen werden nur noch der Projektmanagementplan oder die Projektdokumente dann als allgemeiner Ein- bzw. Ausgabewert genannt. Die relevanten Bestandteile werden evtl. dann in der Prozessbeschreibung erläutert. Diesen Ansatz hat das PMI schon in der aktuellen Version des PMBOK-Guides verfolgt, aber nicht konsistent eingehalten..

Einheitlicher und in der Einleitung besser definiert worden sind auch die Standardeingabewerte der Organizational Process Assets (OPAs) und der Enterprise Environmental Factors (EEFs).

Lessons Learned als eigener Prozess

Mit dem neuen Ausführungsprozess Manage Project Knowledge im Project Integration Management trägt das PMI der Relevanz einer kontinuierlichen und konsistenten Lessons Learned-Dokumentation Rechnung. Gerade für ein unternehmensweites Projektmanagement ist dieser Ansatz von zentraler Bedeutung um eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Projektmanagement-Wissens sicher zu stellen. Dies war schon immer eine Idee hinter dem PMBOK-Guide.

Überhaupt wird die Idee der Anpassung des Prozessmodells an die Unternehmens- und Projektanforderungen deutlich stärker vom PMI betont als früher. Das “Tailoring” des Standards für die eigene Umgebung ist eine zentrale Aufgabe der Projektplanung und wird weiterhin über die zentrale Stellung des Projektmanagementplans unterstützt. Entsprechende Hinweise sind aber jetzt den Prozessbeschreibungen hinzugefügt worden. Außerdem bekommt das Tailoring einen eigenen Abschnitt in Kapitel 1.

Und wieder mal die Frage: Wie agil wird das PMBOK?

Wieder betont das PMI, dass die neue Version des PMBOK-Guides neue Ansätze des Projektmanagements stärker berücksichtigt. Zusammen mit den Ansätzen zum Tailoring des Prozessmodells, umfassen die Prozessbeschreibungen jetzt weitere Methoden aktueller Vorgehensmodelle. Wie bisher gilt aber, das PMBOK versteht sich als übergreifendes Beschreibungsmodell, unter dem verschiedene Ansätze, auch agile, beschrieben werden können.

Die einleitenden drei Kapitel sind in dieser Version komplett überarbeitet worden und enthalten weitere Verfeinerungen in der Beschreibung der Lebenszyklen. Viele Grafiken hat das PMI erneuert. Meiner Meinung nach werden damit die zentralen Unterscheidungen besser deutlich.